Offenburger Hexenzunft e.V.
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| Basisdaten | |
|---|---|
| Vereinskürzel: | OHZ |
| Land: | Deutschland |
| Gründung: | 1935 |
| Zunftmeister: | Uwe Schreiner |
| Säckelmeisterin: | Karin Ehrenhard-Konprecht |
| Adresse: | Postfach 2223 77612 Offenburg |
| Telefon: | --- |
| Narrenruf: | Schelle, schelle Sechser, alti alti Hexe, Narro! |
| Webpräsenz: | www.hexenzunft.de |
| E-Mail: | [1] |
Die Offenburger Hexe ist nachweislich die erste und älteste Hexenfigur im schwäbisch-alemannischen Sprachraum und ist Ausgangspunkt unzähliger Hexenzünfte. Mit ihren zahlreichen Veranstaltungen und Narrenspielen bestimmt die Offenburger Hexenzunft e.V. maßgeblich die Fastnacht in ihrer Heimatstadt Offenburg.
Inhaltsverzeichnis |
Verein
Geschichte
Anstoss zu dieser Figur gab seinen Initiatoren, dem Künstlerehepaar Vollmer, vermutlich ein alter Narrenvers, denn lange zuvor erklang an Fasnacht der Ruf: Schelle, schelle, Sechser, alti, alti Hexe! (Laut örtlicher Überlieferung waren mit Schelle Sechser sechs Büttel gemeint, die die Bürger vor dem bösen Blick der abgeführten und der Hexerei beschuldigten Frauen warnen und schützen sollten.)
Beim Preismaskenball des Karnevalvereins Offenburg 1933 treten Karl und Pauline Vollmer zum ersten Mal in einem Hexenkostüm mit einer selbst gefertigten Gaze-Pappmache-Maske in der Öffentlichkeit auf. Beim großen Narrentreffen der schwäbisch-alemannischen Zünfte 1935 in Offenburg schmuggelt sich das Ehepaar Vollmer mit Hilfe der Gengenbacher Narrenzunft als Hexen in den Umzug ein und fanden bei ihrer "Premiere" große Beachtung. Wenige Tage später, am Schmutzigen Donnerstag, beleben bereits neun Hexen während der Taufe des Fasentskindes das närrische Geschehen. Der Elzacher Fritz Disch schnitzt nach Entwürfen Karl Vollmers die Hexenmasken aus Lindenholz. Am Dreikönigstag 1936 erfolgt formal die offizielle Gründung der Zunft mit Satzung und Hexenregeln und die noch heute gebräuchlichen Hexenriten werden kreiert. Außerdem fand der erste auswärtige Auftritt beim großen Narrentreffen der Vereinigung in Oberndorf statt. 1937 wurde die noch junge Zunft in die Vereinigung Schwäbisch-Alemannischer Narrenzünfte aufgenommen. Beim großen Narrentreffen in Überlingen 1938 wird zum ersten mal außerhalb Offenburgs eine Strohhexe verbrannt. Die Resonanz auf dieses Schauspiel ist so groß, dass eine Einladung zum Tag der Deutschen Kunst nach München erfolgt. Mit Schreiben vom 8. November 1939 wird allen Mitgliedszünften des Bundes Deutscher Karneval empfohlen, während des Krieges keine Fastnachtsveranstaltungen abzuhalten.
Die Offenburger Hexen umgehen in der ersten Fasnet nach dem Krieg 1947 das Verbot der französischen Besatzungsmacht, keine Straßenfastnacht abzuhalten, indem sie aus den Fenstern der Einhorn-Apotheke und der daneben gelegenen Rentamtsruine Würste und Wecken an die Bevölkerung auswerfen. Im Mai wird die zweite Hexenkuchi in den ehemaligen Kellern der Tritschler’schen Brauerei unter dem Lindenplatz eröffnet. Karl Vollmer entwirft 1948 für den Hexenmeister eine Teufelsmaske in der Form eines stilisierten Schweinskopfes und der erste Hexenball findet im Saalbau Dreikönig unter dem Motto Auf der Walpurgisnacht statt. Er findet noch vor der Währungsreform statt, so daß sich die Besucher Essen und Trinken selbst mitbringen müssen. 1949 wird der Büttel, ehemals Bezeichnung für die Hexenhandwerker, als Narrenfigur für die Hexenanwärter während ihrer Probezeit deklariert. Karl Vollmer übergibt 1956 das Amt des Zunftmeisters an das Gründungsmitglied Karl Wacker. Auf dessen Initiative hin entsteht das Spättlehansel als Narrenfigur für die Frauen der Zunft. Die Offenburger Narrenzünfte verzichten 1962 wegen eines Grubenunglücks im Saarland und der Überschwemmungskatastrophe an der Nordsee weitgehend auf die Straßenfastnacht. Lediglich der Kinderumzug, Hexenfraß und die Verbrennung der Strohhexe werden durchgeführt. Die Hexenzunft fungiert 1964 als Mitausrichter des Großen Narrentreffens der schwäbisch-alemannischen Narrenzünfte in Offenburg. Am Vorabend wird der Narrenbrunnen auf dem Lindenplatz enthüllt. Die Hexen treten 1968 anlässlich des 65. Geburtstages von Senator Dr. Franz Burda im Zirkus Burda auf. 1971 wirken sie in der ZDF-Fernsehsendung Narren nach Noten in der Oberrheinhalle mit. 1975 feiert die Zunft ihren 40. Geburtstag mit einem Narrentreffen. Der Hexenvater Karl Vollmer stirbt im Alter von 72 Jahren.
Der zweite Hexenkeller ist 1980 der Stadtsanierung zum Opfer gefallen. Unter der Leitung von Walter Pfeiffer hat die Zunft mit viel Eigenarbeit eine neue Hexenkuchi in den Kellergewölben des Salzhauses ausgebaut. Mit einem Narrentreffen wird die Einweihung gefeiert. Mit dem Goldenen Hexenfeschd feiert die Zunft 1985 ihr 50-jähriges Bestehen. Die zunfteigene Musikkapelle Hexenfetzer tritt zum ersten mal in der Öffentlichkeit auf. Wolf-Dieter Kleinert löst Walter Pfeiffer als Zunft- und Hexenmeister ab. Aufgrund des Golfkrieges im Jahre 1991 werden sämtliche Fastnachtsaktivitäten eingestellt.
Zum 60. Geburtstag 1995 organisiert die Hexenzunft in vielen Gaststätten der Innenstadt die in Vergessenheit geratenen Kappeobende und hat damit einen riesigen Erfolg. Die Offenburger Hexenzunft hat 1999 anlässlich des 75-jährigen Jubiläums der Vereinigung schwäbisch-alemannischer Narrenzünfte die ehrenvolle Aufgabe, während der Feierlichkeiten in Stockach eine Verbrennung der Strohhexe durchzuführen. Die Hexenzunft feiert Im Jahre 2000 mit einem Narrentreffen, einer Ausstellung zur Zunftgeschichte im Ritterhausmuseum und einem neuen Hexenbuch ihren 65. Geburtstag. Anlässlich des 70. Jubiläums der Hexenzunft findet die Fasents-Taufe 2005 wieder am Fischmarkt statt und der Kappeobend wird durch Zelte und eine Flaniermeile weiter belebt. Der Hexenball findet letztmalig in der Oberrheinhalle statt. Für den Wechsel in die noch größere Ortenauhalle wird ein komplett neues Konzept entworfen.
Vorstände
Zunftmeister
- 1935 bis 1956 Karl Vollmer
- 1956 bis 1960 Karl Wacker
- 1960 bis 1972 Hans Metzger
- 1972 bis 1985 Walter Pfeiffer
- 1985 bis 1993 Wolf-Dieter Kleinert
- 1993 bis 2001 Hans-Georg Roth
- 2001 bis ???? Uwe Schreiner
Gruppen/Figuren
Teufel
Der Teufel wurde von Karl Vollmer im Jahre 1948 als Einzelfigur der Offenburger Hexenzunft entworfen. Diese Narrengestalt ist nur dem Zunft- bzw. Hexenmeister oder dessen Stellvertreter vorbehalten. 1958 entstand dann eine neue, von Werner Vogel kreierte Teufelsmaske, die bis heute vom Hexenmeister bei sämtlichen Auftritten getragen wird.
Das Häs des Teufels besteht aus einem grünen Lederwams, einer roten Spättlehose sowie schwarzen Lederstiefeln. Die tierisch-menschlichen Züge der Maske wurden beibehalten. Im Gegensatz zu der feingeschnittenen Schweinskopfmaske wurden dem Neuentwurf jedoch mächtigere, fast barocke Formen mitgegeben. Der bockähnliche Oberkopf mit großen hängenden Lauschern und den starr fixierenden Augen wird von zwei kräftigen geschwungenen Hörnern und zwei feineren Stirnhörnern abgeschlossen. Die breite Rüsselnase verdeckt zum Teil den geöffneten Raubtierrachen mit zwei spitzen Reißzähnen. Der diabolische Gesamteindruck wird durch den zotteligen Bocksbart und die heraushängende Zunge noch verstärkt. Ein Fuchsschwanz, über dem roten Maskentuch angebracht, rundet das Kunstwerk ab.
Hexe
Die Offenburger Hexen tragen als Gewand den sogenannten Peter, einen Roten Rock mit schwarzen Streifen, bunt gemusterte Schürze, weiße lange Unterhosen mit Rüschen, Ringelsocken, Strohschuhe, rote Wollhandschuhe und natürlich den obligatorischen Besen. Charakteristisch sind außerdem sechs Strohzöpfe mit kleinen Schellen. Die Gruppenmaske von Josef Tränkle aus Elzach zeigt ein typisches Hexengesicht mit Hakennase und großen Kugelaugen, bei denen nur die Pupillen ausgeschnitten sind. Als Maskenabschluss dient ein in der Form der gotischen Haube über ein Gestell gebundenes rotes Kopftuch mit weißen Punkten.
mehr: Offenburger Hexe
Alt-Offenburgerin
Nach dem Krieg konnte sich die Figur der Alt-Offenburgerin durchsetzen. Sie ist aus den Schnaigerinnen hervorgegangen, die in Frauenkleidern mit einer Gazemaske verkleidet, mit frechem Mundwerk, aber niemals verletzend über die anderen herzogen, also "schnaigten".
mehr: Alt-Offenburgerin
Spättlehansele
Dieses Hansele hat die für das Kinzigtal typischen Spättle in den Farben rot, schwarz, gelb, grün und grau. Ein Hahnenkamm aus rotem Spättle dient als Abschluß der lächelnden Holzmaske. Dazu wurde das Spättlehansele mit einer an einem langen Farrenschwanz befestigten Saubloder ausgerüstet, von der es heute noch regen Gebrauch macht. Das Häs des Spättlehansele ist den Frauen vorbehalten.
Büttel
Die Figur des Büttels, oder auch Sechser genannt, ist für die Hexenanwärter vorbehalten.
Das Häs der Narrenfigur war und ist noch heute ganz auf deren ursprüngliches Aufgabengebiet, meist handwerklichen Tätigkeiten, ausgerichtet und deshalb einfach und praktisch gehalten: grüner, goldgemusterter Kittel mit Kapuze, die als Maskenabschluß dient. Ein breiter Ledergürtel, eine Halbmaske mit dem buschigen Schnurrbart, eine einfache rote Hose und natürlich die traditionsreiche Büttelglocke mit der der Büttel die Hexen in seinem Gefolge ankündigt.
mehr: Offenburger Büttel
Hexefetzer
Hexenfetzer werden die Musiker der zunfteigenen Musikkapelle genannt. Der Name wurde durch eine Umfrage unter vielen Narren im Rahmen des goldenen Hexenfestes gefunden. Selbstverständlich gehören auch die gängigen Narrenmärsche der Region zu ihrem Repertoire. Mit ihrer rot-grünen Jacke, der schwarzen Hose, gekrönt durch einen breitkrempigen schwarzen Hut mit gedrehtem Strohzopf, runden die Musiker das farbenträchtige Auftreten der Zunft ab.
Auszeichnungen
Ehrenvolles Hexenzeichen
Das Ehrenvolle Hexenzeichen ist die höchste Ehre, die die Offenburger Hexenzunft zu vergeben hat und wird in einer feierlichen Zeremonie (Hexenspuk) in Form eines Stempels auf den Bauch des Geehrten gesetzt. Der Stempel zeigt eine Larve der Offenburger Hexe. Grundsätzlich werden nur Männer auf den Bauch gestempelt. Die wenigen prominenten weiblichen Geehrten wurden auf die Hand oder auf das Knie gestempelt.
Prominente Träger des Hexenzeichens sind unter anderem:
| Datum | Name | Titel |
|---|---|---|
| 1937 | Otto Gebühr | Schauspieler |
| ? | Max Schmeling | Boxer |
| ? | Ivan Rebroff | Sänger |
| ? | Peter Kreuter | Produzent |
| ? | Joachim Fuchsberger | Schauspieler |
| ? | Willi Bogner | Designer |
| ? | Uschi Glas | Schauspielerin |
| ? | Dr. Franz Burda | Verleger |
| ? | Dr. Hubert Burda | Kundthistoriker, Verleger |
| ? | Michael Giurea | Schauspieler |
| ? | Bernhard Wicki | Schauspieler, Regisseur |
| ? | Eddi Arent | Schauspieler |
| ? | Ilse Kubaschewski | Filmproduzentin |
| ? | Toni Marshall | Schlager-, Opernsänger |
| ? | Roy Black | Sänger, Schauspieler |
| ? | Max Greger | Bandleader |
| ? | Richard Stücklen (CSU) | ehem. Präsident d. deutschen Bundestages |
| ? | Jack White | Sänger, Produzent |
| ? | Wolfgang Schäuble (CDU) | Poloitiker |
| ? | Max Schautzer | Entertainer |
| Jürgen Marcus | Sänger | |
| ? | Robert Ruder (CDU) | Pädagoge |
| 1995 | Thomas Gottschalk | Schauspieler, Entertainer |
| ? | Klaus Eberhartinger | Sänger (EAV) |
| ? | Günter Laubis | Radiosprecher |
| ? | Sven Ottke | Boxweltmeister |
| ? | Martin Heuberger | Handballnationaltrainer |
| ? | Pierre M. Krause | SWR Moderator |
Termine/Veranstaltungen
11. November (11.11.)
In der Hexenkuchi wird an diesem Tag mit einer Vorschau auf die bestehende Fasentszeit die Kampagne eröffnet. Um Mitternacht steigt dann der erste große Hexenspuk, in dem die Neuaufgenommenen dem Ritual gemäß vom Hexenmeister den Hexenstempel "eingebrannt" bekommen.
Kuchiobende
Bereits seit vielen Jahren gehören die Keller- bzw. Kuchiobende der Hexenzunft für die meisten der passiven Mitglieder zum festen Bestandteil ihrer Fastnachtsaktivitäten. Das liegt natürlich zum größten Teil an der urigen Atmosphäre in der Hexenkuchi, aber auch nicht unerheblich an der Gestaltung dieser Abende durch die "Hexenkünstler". Es ist immer wieder erstaunlich, daß sich bereits im August weitab von der närrischen Zeit Ideen herauskristallisieren, die bis zum 11.11. durch die Künstler selbst in unzähligen Zusammenkünften zu dem "Programm" verfeinert und ausgebaut werden. Daß nicht in jedem Jahr absolute Highligths produziert werden können, liegt in der Natur der Sache und vor allem daran, daß reine Amateure am Werk sind. Trotzdem kann ruhigen Gewissens hier verbreitet werden, daß die Kuchiobende der Offenburger Hexenzunft ein hohes Niveau haben , das sich überall sehen lassen kann.
Hexenbesen stellen
Traditionell beginnt die Offenburger Straßenfastnacht alljährlich mit dem Setzen des Hexenbesens vor dem Rathaus am Donnerstag vor dem Narrentag. Da der Hexenbesen überdimensional lang und schwer ist, werden die Kinder der Zuschauer mit einbezogen, mit deren Hilfe und mittels einem langen Seil der riesige Hexenbesen durch die Hauptstraße vor das Offenburger Rathaus gezogen wird. Fackeln und bengalische Feuer rücken das aktuelle Offenburger Stadtgeschehen in das richtige närrische Licht, während die Hexen ihr Markenzeichen, den Hexenbesen unter den Klängen der Hexenfetzer und Spielmöps aufstellen.
Narrentag
Zwei Wochen vor der eigentlichen Fasent findet alljährlich dieses "kleine Narrentreffen" statt. Außer den beiden Kernstadtzünften sind an diesem Samstag alle Stadtteil- und Umlandzünfte beteiligt, so daß mehrere tausend Hästräger die Offenburger Innenstadt bevölkern. Im Rahmen des Wochenmarktes präsentieren alle Zünfte badische Spezialitäten für Gaumen und Kehle. Und auf der großen Bühne vor dem Rathaus werden dem staunenden Publikum die verschiendenen lokalen Brauchtumsvorführungen präsentiert. Während in der Innenstadt "der Bär tanzt", rüsten sich bereits die "Kleinsten" für Ihren großen Auftritt, um mit allen Zünften den großen Umzug aufzustellen.
Der Kinderumzug ist jedes Jahr für alle Beteiligten ein besonders Erlebnis. Wenn der Offenburger Narrensamen mit eigens angefertigten Kostümen lokale und globale Begebenheiten auf die Schippe nimmt, bleibt kein Auge am Straßenrand trocken. Die schönsten Kostüme werden von einer närrischen Jury prämiert. Und selbstverständlich gibt es für jeden kleinen Narr nach dem langen Marsch Verpflegung in Form von Wurst, Wecken und Getränken.
Am späten Nachmittag klingt der Narrentag langsam aus. Doch jeder freut sich nach diesem gelungenem Einstand auf die "tollen Tage", die nun folgen werden.
Fasents-Taufe
Die Fasentdaifi ist alljährlich der offizielle Beginn der Offenburger Fasentswoche. Mit ohrenbetäubendem Krach haben Hemdglonker zu nachtschlafender Zeit das Narrenvolk aus den Betten gejagt, damit es sich beim Fackelschein frühmorgens um sechs Uhr um den Narrenbrunnen schart, wo die Offenburger Hexenzunft ihr Hexenkind tauft. An dieser traditionelle "Daifi" nehmen auch einige weitere Offenburger Zünfte teil. Der Name des Kindes hat immer einen närrischen Bezug zum lokalem Geschehen oder zu einer stadtbekannten Persönlichkeit. Der Taufakt klingt aus mit einem allgemeinen Bohnesuppessen in den Altstadtlokalen.
Am späteren Vormittag wird der jüngste Nachwuchs in den Kindergärten besucht, damit auch hier das Narrenfieber erwacht und für Stimmung sorgt.
Danach ruht das Treiben in Offenburg. Aber nur bis zum Abend, wenn der "Grandiose Hexenball" ansteht, und tausende von Narren in die Ortenauhalle lockt...
Der Hexenball
Als im Jahre 1948 die Offenburger Hexenzunft im Saalbau "Dreikönige" ihren ersten Nachkriegshexenball veranstaltete, bei dem sich die Besucher Essen und Trinken selbst mitbringen mußten, konnte sich wohl niemand vorstellen, daß dieser Ball nach über fünfzig Jahren nach wie vor die Fastnachtsveranstaltung schlechthin für Bohneburgs Narren sein wird. Viel dazu beigetragen hat auch die Tatsache, daß vor über 30 Jahren sich die damals führenden Köpfe der Offenburger Hexenzunft entschlossen, den beliebtesten Offenburger Fasentsball aus der Stadthalle in die kurz zuvor eingeweihte Oberrheinhalle zu verlegen. Der Andrang der Bohneburger Narren, die den Höhepunkt des Schmutzigen Donnerstags zusammen mit den Offenburger Hexen feiern wollten, war für die alten Gemäuer der Stadthalle zu groß geworden.
Kappeobend
Aus Anlass des 60jährigen Bestehens der Zunft wurden 1994 die Kappenobende wieder ins Leben gerufen, die in Offenburg eine lange Tradition haben, aber leider wieder in Vergessenheit gerieten. Dies war für unsere Zunft natürlich Ansporn genug, die Strassenfasent wieder um diese Veranstaltung zu bereichern. Gleich der erste Aufruf an die Offenburger Gastronomen zog eine grosse Resonanz nach sich. Als die Zunft auch noch den damaligen Oberbürgermeister Dr. Bruder als Schirmherr der Kappenobende gewinnen konnte, stand einem gelungenem Einstand eigentlich nichts mehr im Wege. So fanden sich am Fasentsamstag abends um 7:00 Uhr hunderte Narren vor dem Rathaus ein, um das grossartige Höhenfeuerwerk über Offenburgs Dächern mitzuerleben. Danach entliess der Schirmherr vom Balkon des Rathauses aus die Menge in die ca. 15 Wirtschaften, Zelte und 2 Narrenkeller, die als Anlaufstationen für durstige Kehlen geöffnet waren. Mit "Live-Musik" war überall für Stimmung gesorgt, und nach einer Weile zirkulierten die Narren in der Offenburger Innenstadt von Wirtshaus zu Wirtshaus. Seitdem sind die Kappenobende zu einem festen Bestandteil der Offenburger Strassenfasent geworden. Und jedes Jahr wird die Anzahl der Besucher grösser, so dass mittlerweile sogar "Strassenwirschaften" entstanden sind.
Hexeg´müs
Unter all den traditionellen Hexenveranstaltungen während der Fasent ist der Verkauf von Hexen-Souvenirs am Narrentag und natürlich ganz besonders des "Hexeg'müs" am Fasentsamstag auf dem Wochenmarkt nicht mehr wegzudenken. Wirft man einen Blick auf unseren Verkaufsstand- und Wagen, reicht die Vorstellungskraft nicht aus, um zu ermessen, wieviel Fleiß und Zeit von Hexen, Hansele, Alt-Offenburgerinnen und Büttel aufzubringen ist, bis all die Dinge angefertigt sind. Wie überall steht auch hier schon sehr früh die Planung: Material ist einzukaufen und für Heimarbeit zu verteilen. Jeder ist gefordert: Ansteckmasken malen, Zöpfe flechten, Kopftücher zuschneiden usw. Sobald die Vorarbeiten abgeschlossen sind, beginnen im September, Oktober die gemeinsamen Bastelabende in der Zunftstube. Vorbereitet werden z. B. die Masken, die die Hexenbesen schmücken u.v.a. Später dann, bereits während der Fasent, müssen die Besen gebunden und das Hexengemüse für den Wochenmarkt kreiert werden. Jedes Jahr schaffen fleißige Hände aus Kartoffeln, Rüben, Sellerie, Rettichen, Lauch und Orangen eigenartige, lustige und fantasievolle Figuren unter Zuhilfenahme von Stoffresten, Spitzen, Knöpfen und sonstigem schmückendem Beiwerk. Der Erlös des Hexengemüses dient dem Kauf des Hexenfraßes, der traditionell am Fasentdienstag in der Innenstadt an das "kleine" Narrenvolk verteilt wird. Trotz vieler Mühen und großem Zeitaufwand tragen doch diese "Arbeitsabende" auch zur Gemeinschaft innerhalb der Zunft bei. Man sieht sich - nicht nur zur Fasentszeit - schwätzt, lacht und oft ergeben sich dabei auch neue Ideen und Verbesserungen.
Aktenvernichtung
Nachdem auch die letzten Stücke des Hexengemüses unter das Bohneburger Narrenvolk gegangen sind, "stürmen" die Hexen das Rathaus, um zu demonstrieren, daß sie nun die Macht an sich gerissen haben. Zur Verdeutlichung wird die Fahne unserer Zunft am Balkon angebracht und die Hexen zeigen sich dort und an den Fenstern "ihrem" Volk.
Die Politik, die an den närrischen Tagen herrscht ist natürlich von einer "anderen" Qualität. Und so kommt es, daß nach und nach sämtliche "Akten" zerschnipselt einem Wasserfall gleich auf der Straße landen. Natürlich ist es für die Kinder dann das größte Vergnügen, die "Akten" in der ganzen Stadt zu verteilen und sich regelrechte Schlachten mit den Papierresten zu liefern.
Hexenfraß
Der Dienstag ist für die Offenburger Hexen der Höhepunkt der Offenburger Straßenfastnacht. Nach einem Umzug durch die Altstadt, bei dem schon an die Kleinen Orangen und Gutseln verteilt werden - das machen besonders die Alti und Hansele, - geht es zum Platz am Neptunbrunnen. Da wartet, meist schon stundenlang, eine unübersehbare Kinderschar, laut ihr "Gizig, gizig, gizig!" schreiend. Nach vielem Umtreiben lassen sich die Hexen dann erweichen, von den schon traditionellen Balkonen den "Hexenfraß" zu werfen. Unmengen von Gutseln prasseln auf die Schreihälse im Lauf einer Stunde nieder, und Würscht und Wecke. Und immer wieder ertönt lauthals der Ruf "Gizig, gizig, gizig isch die Hex. Und wenn sie net so gizig wär, gäb sie au ebbes her." Wenn alle Beutel, Taschen, Tüten und Körbe der Hexen leer sind, verschwinden sie zu einem tollen Hexenwirbel in die Altstadtlokale - bis es dunkel wird. Dann kommen sie wieder herbei aus Häusern und Gassen auf den großen Platz vor dem Rathaus, wo der inzwischen ausgewachsene Hexenzögling der kommenden Dinge harrt.
Strohhexenverbrennung
Zu den absoluten Höhepunkten der Offenburger Straßenfastnacht gehört zweifellos die Verbrennung der Strohhexe vor dem OT-Pressehaus zum Fasentausklang. Bereits Stunden vor Einbruch der Dunkelheit fiebern die aktiven Hexen und unzählige Zuschauer hinter der Absperrung dem schaurig-mystischen Schauspiel entgegen. Wenn die Dunkelheit dann angebrochen ist, beginnt das so feierliche Ritual: Unser Hexenfeuerwerker legt an die raketenbestückte, oft weit über 5 Meter hohe Strohhexe Feuer, während im weiten Rund die Hexen ihren Hexentanz im Schein der auflodernden Flammen zelebrieren. Immer wieder klingt in das Knallen und Prasseln des gewaltigen Feuerwerks der alte Offenburger Fasentsruf: "Schelle, schelle, Sechser, alli alti Hexe! Narro!" Bevor aber das große Feuer verlöscht, setzen die Hexen zu ihrem berühmten Hexensprung an. Hoch schwingen sie sich auf ihren Besen durch die auflodernden Flammen, bis auch der letzte Rest des ehemaligen Hexenkindes verbrannt ist - die Straßenfasnacht ist vorbei ! Doch in den Gewölben der Hexekuchi wird beim "Schlußrambo" noch kräftig weitergefeiert, bis um Mitternacht der Aschermittwoch wirklich alles beendet.
siehe auch
Weblinks / Quellen
Der Großteil der Texte und Bilder wurde mit freundlicher Genehmigung von der Website der Offenburger Hexenzunft entnommen.
- Homepage der Offenburger Hexenzunft
- 65 Jahre Offenburger Hexenzunft e.V. Die Geschichte der Offenburger Hexenzunft - Erschienen im Franz Huber Verlag im Jahre 2000



