Maske

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Kurzinfo:
Dieser Artikel beschreibt einen Begriff.

Als Maske oder Larve wird das Gesicht der Narren in der schwäbisch-alemannischen Fasnacht bezeichnet. Die Maske ist Bestandteil des Häs. In manchen Orten wird die Maske auch Maschgera oder Maschga genannt. Sie wird meistens aus Linden-, Pappel-, Wermut-, oder Zirbelkieferholz gefertigt. Allerdings sind auch Masken aus Stoff, Leder, Drahtgaze, Pappmache oder, wenn auch seltener, Kunstoff zu sehen.

Inhaltsverzeichnis

Wortherkunft

Maske

Auch: Masg´; Maschgera, Maschga. Es wurde oft versucht, das Wort Maske zu deuten. Der Arabist und klassische Philologe J.J.Reiske (1830) glaubte den Ursprung des Wortes in dem arabischen mashara (Spaßmacher) entdeckt zu haben. Aber trotz vielfacher Zustimmung lässt der schweizerische Maskenforscher Karl Meuli (1943) die arabische Herkunft des Wortes zumindest für das Langobardische, das Französische und das Deutsche nicht gelten. Das Langobardische wird erwähnt, weil in einem langobardischen Gesetzbuch des 7. Jahrhunderts das Wort masca erscheint. Neuere Forschungen wollen das Wort dem etruskischen Kulturkreis zuweisen. Jedenfalls muss es im 7. Jahrhundert den Langobarden noch nicht sehr vertraut gewesen sein, denn in dem erwähnten Gesetzbuch wird masca mit dem lateinischen striga, also mit böser Geist erklärt. Das langobardische masca wird im Althochdeutschen zu mascun, im Schottischen zu masc und mesh und im Dänischen zu maske. Dabei hatte das Wort Maske im frühen Mittelalter eine doppelte Bedeutung, nämlich Masche und Maske. Das langobardische masca bedeutet zunächst einen unguten Geist, der, wie die römische striga, Lebende anfällt. Meuli meinte dazu: "...daß mit masca ursprünglich ein Wiedergänger gemeint war, ein Toter, den man in ein Netz gehüllt hatte, um ihn eben am Wiederkommen zu verhindern". Dieser Brauch wurde jahrhundertelang geübt, und vieleicht ist ein letzter, längst nicht mehr verstandener Rest davon die Netzschärpe der Laufenburger Narronen, die seit Generationen allerdings als Fische- und nicht als Totennetz gedeutet wird. Maske ist wohl ursprünglich Masche, also Netz, in das ein Toter gehüllt wird. Dann wird das Wort zur Bezeichnung für einen im Netz verhüllten Toten, der zur Wiederkehr drängt, also zur Bezeichnung für einen unliebsamen Geist. Und schließlich wird Maske auch zum Namen für einen Menschen, der mit Netzen vermummt einen solchen Geist darstellt. Darüber hinaus wird Maske im neueren Sprachgebrauch die Bezeichnung für die Gesichtsverhüllung brauchgebundener vermummter Figuren. Auch in der darstellenden Kunst lebt das Wort weiter. Der moderne Schauspieler trägt zwar keine Maske mehr wie sein attischer Kollege vor mehr als 2000 Jahren, dafür macht er Maske, das heisst, er schminkt sein Gesicht. Bei Film und Fernsehen besorgt die Veränderung des Darstellergesichtes der Maskenbildner.

Larve

Larve ist dem Lateinischen entlehnt. Die Form larva findet sich bereits bei Horaz; sie geht auf die altlateinischen Formen larua, lasoua, lares und lases (Geister) zurück. Das Wort Larve bürgerte sich schon im Mittelhochdeutschen für Gespenst und Geist ein, bedeutet heute aber nur noch Gesichtsverhüllung. In den schwäbisch-alemannischen Fasnachtslandschaften ist Larve hauptsächlich am oberen Neckar als Bezeichnung für die aus Holz geschnitzte Gesichtsverhüllung üblich. Weil das Wort die Wandelbarkeit der äußeren Erscheinungsformen sehr sinnfällig ausdrückt, wird es seit dem Ende des 18. Jahrhunderts auch zur Bezeichnung des Entwicklerstadiums der Insekten zwischen Ei und Verpuppung gebraucht. Im heutigen Sprachgebrauch hat sich die Bezeichnung noch im Wort Entlarven erhalten.

Scheme

Auch: Schemme; Schämme. Das Wort Scheme bildete sich ziemlich eigenständig in den germanischen Sprachen, wenn auch parallel dazu das griechische skiá (Schatten oder Geist) steht. Über die althochdeutsche Form scînan (scheinen) entstand mittelhochdeutsch Scheme. Hierher gehört die gotische Form skeima (Fackel). Aus den Bedeutungen Schatten, Geist, Schein und Fackel erwächst der Begriff Schattenbild, also ein Bild, das zwischen Hell-Dunkel geheimnisvoll flackert. Schattenbild und Schemen werden zum Ausdruck für eine alphafte, nicht genau bestimmbare Erscheinung irgendeines beseelten, aber bedrohlichen Wesens. Die Sinnverbindung Schattenseele kommt dem Wesen des Schemens im alten Maskenbrauch am nächsten. Heute ist Scheme als Wort für geschnitzte Holzlarve, außer in Westtirol, vor allem auf der Baar (Hochfläche zwischen dem Ostrand des Schwarzwaldes und dem westlichen Aufstieg des Schwäbischen Juras) geläufig.

Gfrieß und Affegsicht

Das schwäbische Wörterbuch von Johann Christoph Schmid (1831) erklärt die Schlagwörter fresse und gefrieß als hässliches Gesicht und weißt darauf hin, daß der pöbelhafte Ausdruck aus dem Östereichischen komme. Und tatsächlich hat sich dieser Name vor allem für Tierlarven im schwarzwälderischen Elztal erhalten, das bis zum Beginn des 19. Jahrhunderts weitgehend vorderöstereichisch war. Auch Hermann Fischer in seinem Schwäbischen Wörterbuch (1904) nennt für Gefriss ein entstelltes, unfreundliches, verdrießliches Gesicht. Das Badische Wörterbuch (1925) von Ernst Ochs erklärt Ge-friß einmal als Gesicht, sagt aber dann weiter: "Bäregfriß, alte und sehr beliebte Holzmaske an Fasnacht, geschnitzte Gesichtsmaske in Form einer Bärenschnauze, Elzach... Jüngere Abwandlungen davon sind das Affen-, Fuchs-, und das Tote(n)-gfriß..." Das Voralbbergische Wörterbuch (1955) von Leo Lutz nennt den groben Ausdruck auch und erklärt ihn so: "eine saure, unfreundliche Miene". Lutz zitiert noch die Redensart "er macht ein Gfriss wie ein Affe". Dieser Ausdruck ist meist nur noch in abgelegenen Dörfern anzutreffen und er wurde nicht nur für die fasnächtliche Verlarvung gebraucht, sondern auch bei Maskengestalten zu anderen Brauchterminen, so etwa bei den Strohgestalten an Sonntag Lätare. Fischer nennt in seinem Wörterbuch für Affe(n)g(e)sicht das Wort Gesichtsmaske. Es ist in der schwäbisch-alemannischen Fasnacht kaum mehr üblich. Es entstand wohl als Verächtlichmachung in fasnachtsfeindlichen, spätaufklärischen Kreisen im 19. Jahrhundert.

Arten

Gerußte Larven

Die einfachste Larve ensteht durch Beschmieren, Bestäuben oder Bemalen des Gesichtes mit Ruß, Mehl oder Farbe. Geschwärzte Gesichtslarven schmieren sich manche Fasnachtsnarren in Südwestdeutschland, in Tirol und in einigen Balkanländern mit Ruß. Daher rührt im Schwäbisch-Alemannischen die Bezeichnung rußiger oder bromiger Freitag für den Freitag vor Fasnachtssonntag. In Westtirol heisst dieser Tag der Rußfreitag. Es gibt dort - wie in Scheer a. D. - als Fasnachtsgestalt den Ruaßler. Rußgeschwärzte Gesichter sind auch bei anderen Jahresabläufen zwischen Martini und Pfingstmontag zu sehen.

Gestäubte Larven

Mit weißem Mehl bestäubte Larven machen sich an Fasnacht am Hoch- und Oberrhein, im Schwarzwald, im Hegau, am Bodensee und in Oberschwaben die Hemdglonker. Ob das geweißte Gesicht auch an das blasse Antlitz des harilokings, des alten Heerkönigs, aus dem später der weißgeschminkte arlecchino (Harlekin) wurde, erinnern soll, ist unbekannt.

Geschminkte Larven

Gemalte oder geschminkte Larven sind in der schwäbisch-alemannischen Fasnacht selten. Sie waren früher häufiger anzutreffen, bevor sich die Holzlarve als närrisches Statussymbol verbreitet hat. Lustige Narrenfiguren im Hohenzollerischen, an der oberen Donau und am mittleren Neckar schminken sich heute noch die Larven. Auf die Gesichter des Oberndorfer Narrensamens werden von den alten rote Backen, Schnurr- und Knebelbärte geschminkt, so dass sie den Holzlarven der Narro und Hansel ähneln.

Haarige Bartlarven

Eine einfache Larve entsteht auch durch einen künstlichen Bart, der entweder nur über den Kopf gebunden oder über die Ohren gehängt oder aber mit einer Harzlösung (Mastix) auf das Gesicht geklebt wird. Der einfache gehängte Bart besteht meistens aus naturfarbenen Flachs oder Werg, bei einigen Wildmännergestalten früher wohl aus Baumflechten. Der geklebte Bart dagegen ist meist aus künstlichem Haar, aus Bartkrepp, und wird wahlweise auf Backen, Lippen und Kinn festgemacht. Mit solchen Bärten zeigen sich hauptsächlich die vielartigen Narrenpolizisten und Narrenbüttel.

Fell- und Lederlarven

Zu den urtümlichsten Larven gehören die Gesichtsverhüllungen durch Fell oder Leder. Im ganzen schwäbisch-alemannischen Maskengebiet haben sich aber reine Fell-Leder-Larven nicht erhalten. Einen außerordentlich zeizvollen Übergang von der Fell- zur Stofflarve bildet die Butzenlarve aus Grosselfingen.

Stofflarven

Tuchmaske der Wurmlinger Bajas
Tuchmaske der Wurmlinger Bajas

Die einfachste textile Gesichtsverhüllung entsteht durch einen über den Kopf gezogenen Strumpf oder Vorhangrest, bei dem noch keine Sehlöcher ausgeschnitten sind. Daraus hat sich die fallende Stofflarve mit Augen- und Mundausschnitten entwickelt, die aber in der brauchgebundenen schwäbisch-alemannischen Fasnacht kaum noch anzutreffen ist. Gelegendlich wird sie noch von den Schnurreweibern beim Aufsagen in den Wirtshäusern vor das Gesicht gehängt. Dagegen tragen die am Heiligen Abend umgehenden Maskengestalten der Rollesel in würtembergisch Franken und die Hisgiere im Markgräflerland am Lätaresonntag solche Larven. Schwarze Stofflarven sollen die Venezianer schon im 13. Jahrhundert benützt haben. Manche Stofflarven gleichen dem Narrenkleid. Besonders am Bodensee ziehen sich die Blätzlesgewandträger ihr Narrenkleid auch über Kopf und Gesicht, so daß eine einheitliche Vermummung entsteht, aus der nur Schlitze für Augen und Mund ausgeschnitten werden. Manche Blätzlenarren im Hegau und am Hochrhein bedecken ihr Gesicht mit einem schwarzen Filzstück, auf dem Augen, Nase und Mund mit roter Farbe gemalt oder mit rotem Garn gestickt sind. Kunstvoll geformte und farbig gut abgesetzte Stofflarven tragen drei Blätzlesnarrentypen am Bodensee und in seinem Hinterland. Mit langen Rüsseln versehen und mit Pailleten besetzt sind die Stofflarven der Überlinger Hänsele in Schwarz und die der Engener in Rot. Mit sehr ausdrucksvollen Stoff-Leder-Larven verhüllen die Markdorfer Hänseler ihre Gesichter.

Holzlarven

Beispiel einer Holzmaske: Ergenzinger Blätzlesbua
Beispiel einer Holzmaske: Ergenzinger Blätzlesbua
Die unterschiedlichen Zwischenschritte bei der Herstellung einer Holzmaske
Die unterschiedlichen Zwischenschritte bei der Herstellung einer Holzmaske

Der Holzlarve haftet das Fluidum von etwas Altem und Ehrwürdigem, von etwas besonders Erstrebenswertem an, obwohl die ältesten Stücke erst aus dem 18. Jahrhundert stammen. Kein Wunder, daß in den meisten schwäbisch-alemannischen Narrenorten Holzlarven getragen werden. Kein Wunder aber auch, daß die Qualitätsunterschiede sehr groß sind. Der magische Ausdruck der Holzlarve strahlt die Kraft aus, sie alljährlich zu tragen und den alten, wenn auch längst sinnentleerten Maskenbrauch neu zu zelebrieren. Zwei Archetypen stecken zunächst einmal das Feld der schwäbisch-alemannischen Holzlarven ab: die schönen (glatten) und die hässlichen. Hier zeigt sich eine Parallele zu den Grundformen der alpenländischen Perchtenlarven, zu den Schianen und den Schiachen.

Kriterien der Holzlarven

Klassische Holzlarven haben immer eine glattgeschliffene Oberfläche. Hiebe und Stiche des Schneideisens sind bei ihnen nicht zu sehen. Die Rohschnittechnik, bei der jeder Messerschnitt deutlich zu sehen ist, kam eigendlich erst nach dem zweiten Weltkrieg in Mode, als bei vielen Holzbildhauern, die sich vorher noch nie damit befasst hatten, von Narrengemeinschaften Holzlarven bestellt wurden. Die Besteller hatten meist selbst keine klare Vorstellung von den Anforderungen, die an eine hölzerne Gesichtsvermummung zu stellen sind. Sie waren froh, wenn der Schnitzer ihnen nur etwas lieferte. So kam es, daß Larven entstanden, die mehr den Vorstellungen des Schnitzers entsprachen als der fasnächtlichen Überlieferung. Mit dieser schnitztechnischen Vergröberung ging Hand in Hand das Vernachlässigen der farbigen Fassung und der Verzicht auf die abschließende Lackierung. Die jüngere Schnitzergeneration, die sich neu mit der Herstellung von Larven befaßte, übertrug ihre Vorstellung, daß die Maserung des Holzes das Leben des plastischen Werkes ausmachen müsse, auf die Larven. Sie tönten sie nur leicht und lasierten sie bestenfalls. Damit war aber den Larven die Möglichkeit, im Lichterspiel des Lacks zu glänzen, genommen. Bei diesem Verzicht vergaßen sie, daß die mittelalterlichen und die barocken Meister ihre Skulpturen, ganz gleich ob sakrale oder profane, fast immer farblich gefaßt und lackiert hatten. So bekamen ihre Plastiken durch den Wechsel des Lichtauffalles ihre im Lack reflektierende Lebendigkeit. Das galt und gilt auch für die Fasnachtslarven. Die klassische Holzlarve wird, wenn sie fertiggeschnitzt und geschliffen ist, mit einer Kreide-Lehm-Mischung grundiert. Die eingetrocknete Grundierung wird nochmals geschliffen. Danach erfolgt die Bemalung, für die erfahrene Fassmaler oft ihre Spezialrezepte haben. Nachdem die Farben erhärtet sind, wird die Larve lackiert.

Andere Materialien

Beispiel einer Pappmachémaske: Gole aus Riedlingen
Beispiel einer Pappmachémaske: Gole aus Riedlingen

Auch andere Werkstoffe sind für die Larvenherstellung verwendet worden. Noch üblich ist Papiermaché zur Anfertigung von Larven. Das Wolfacher Heimatmuseum besitzt Tonmodelle, über die die aufgeweichte Papiermasse geknetet wurde. Auf ähnliche Weise wurden die dünnen bemalten Leinenlarven hergestellt, die von den südwestdeutschen Schnurreweibern, von den Nüßlern und Tirolern, in der Innenschweiz und in Basel zum intrigieren getragen werden. Sie werden nach ihrem früheren Entsehungsort, dem oberitalienischen Bergamo, Bergamasker Larven genannt. In Heimarbeit wurden diese Larven aus feinem Gewebe hergestellt, das zuvor in flüssiges Wachs getaucht und über einem Model geformt wurde. Nach der Abnahme vom Model wurden die Larven bemalt und meist mit einem künstlichen Schnurrbart versehen. Im Wolfacher Museum sind auch Larven zu sehen, die aus Ton gefertigt wurden. Sie haben sich wohl nie durchgesetzt, weil sie ja noch schwerer zu tragen und außerdem viel empfindlicher waren als die Holzlarven. Selbst Larven aus Blech wurden zur fasnächtlichen Gesichtsverhüllung hergestellt. Eine von ihnen wird in Kisslegg getragen und eine andere besitzt das Wolfacher Museum. Fasnachtslarven aus Drahtgaze werden heute noch gemacht. Dieses Material wurde bereits Ende des 18. Jahrhunderts in einer Pariser Manufaktur erzeugt. Larven aus Drahtgaze werden noch von den Radolfzeller Schnitzelweibern, vom Weingartener Fasnetbutzarößle, von den Fossli im schwyzerischen Siebnen und von den Altstättener Röllelibutzen im schweizerischen Rheintal getragen. Manche dieser Larven stammen aus der Mitte des 19. Jahrhunderts.

Versionen

Die Glatten

Beispiel einer Glattmaske: Gschell aus Rottweil
Beispiel einer Glattmaske: Gschell aus Rottweil

Eine schöne weiße Larve aus Elzach - der Mundle - erinnert noch an die frühe kultische Bindung, an das bleiche Totengesicht und an die Larve des Arlecchino. Dann präsentieren, vor allem durch ihre Qualität, die Narrenstädte Donaueschingen, Fridingen, Haigerloch, Laufenburg, Möhringen. Oberndorf, Rottweil, Schömberg, Villingen und Wolfach die besten Exemplare von guten Glattlarven. Die meisten dieser, besonders in Villingen, oft fast geschlechtslos wirkenden Glattlarven sind bartlos. Doch erscheinen schon im 18. Jahrhundert, der damaligen Mode entsprechend, kleine Bärtchen auf den Oberlippen; sie vergrößern sich in der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts zu mächtigen Schnurrbärten. Alle diese Bärte sind nur aufgemalt und noch nicht aus dem Holz geschnitzt. Der geschnitzte Bart anderer Larventypen kommt im Schwäbisch-Alemannischen meist erst um die Wende vom 19. zum 20. Jahrhundert auf. In anderen Larvenlandschaften, so zum Beispiel in Tirol, finden wir ihn schon im ausgehenden Barock. Auch frühe fränkische Larven haben aus dem Holz geschnitzte Backen-, Schnurr- und Kinnbärte. An der Entwicklung des Glattlarventyps, die sich im 18. und noch zu Beginn des 19. Jahrhunderts vollzogen hat, dürften die Bildschnitzerwerkstatt der Rottweiler Dominikaner, die seit dem 17. Jahrhundert in Villingen bestehende Schnitzerschule und der 1835 verstorbene larvenschnitzende Villinger Ölmüller Dominikus Ackermann wesentlich beteiligt gewesen sein. Glatte Holzlarven aus der Wende vom 18. zum 19. Jahrhundert und aus dem geografischen Spannungsfeld Rottweil-Villingen gingen kinzigabwärts in den Schwarzwald, donauabwärts bis Fridingen, verbreiteten sich über die Baar und kamen bis auf den Heuberg.

Die Hässlichen

Unter den hässlichen und schreckenden Larven dominieren heute die Hexen. Dabei ist nicht erwiesen, ob die heutige Hexenmasken-Gestalt auf das Hexenwesen oder auf die noch älteren Wilden Weiber zurückgeht. Die Wilden Weiber bilden das Gegenstück zu den Wilden Männern, die ja auch außerhalb der Fasnacht als Brunnenfiguren und Schildhalter in Wappen seit dem ausgehenden Mittelalter eine Rolle spielen. An die heutigen hölzernen Hexenlarven können kaum brauchtümliche Kriterien angelegt werden, weil keine vor den dreißiger Jahren des 20. Jahrhunderts entstanden ist. Sie können bestenfalls nach funktionellen und künstlerischen Gesichtspunkten betrachtet werden. Da aber Kunstgeschmack sehr subjektiv ist, wird hier nicht versucht, die Larven dieser Gruppe örtlich oder objektiv zu bewerten. Zu dieser Gruppe der Hässlichen gehören die Teufelslarven, die Schreckgesichter einiger springender Narren und viele Larven mit geschnitzten Bärten. Auch die Holzlarven vieler Narrenfiguren, die nach gespenstischen Ortssagen entstanden sind, und die der mit den Hexen verwandten Waldgeister zählen zu diesem Kreis.

Mischformen

Zwischen den schönen und den schreckenden Larven wuchern viele Kreuzungen und Spielarten. Da reizen frazenhafte Larven zum Lachen, deren Typus wohl in der Barockzeit aufkam. Die Bildhauer des 18. Jahrhunderts haben die in der Romanik und Gotik beliebten Fratzen wiederentdeckt. Viele ihrer Larvengesichter schneiden Grimassen. Diese sind zum Teil als Vorbilder jener grotesken Larven zu betrachten, die nach dem Zweiten Weltkrieg neu entstanden sind. Das 19. Jahrhundert förderte die Individualisierung. So entstanden Charakterlarven mit persönlichen Zügen, bei denen besonders der schweizerische Alemanne seine Fähigkeit zeigte, sich selbst zu verulken. Sie gipfelten in den karikierenden Porträtlarven, die auch in Südwestdeutschland beliebt wurden.

Tierlarven

Beispiel einer Tiermaske: Burgstallwolf der Narrenzunft Wolfenhausen
Beispiel einer Tiermaske: Burgstallwolf der Narrenzunft Wolfenhausen

Bei dem Bären- und Fuchs-Gfrieß handelt es sich um ältere Larven. Seit dem Beginn des 20. Jahrhunderts tauchen immer neue Tiervermummungen auf. Ob es sich dabei um Wiederbelebungen oder um Neuschöpfungen handelt, sei dahingestellt. Als Säugetiere mit Holzlarven erscheinen in der schwäbisch-alemannischen Fasnacht noch das Rößle, der Ziegen-, Schaf- und Rehbock, die Sau und die Katze. Außerdem gibt es Fledermäuse und auch Vögel und Fische. Sogar eine Rote Spinne befindet sich unter den holzverlarvten Tiergestalten.

Siehe auch

Weblinks

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